
In der mittleren Führungsebene zu arbeiten, hat wohl überall in der Welt seine besonderen Herausforderungen. Druck von oben, Druck von unten, und nicht immer erfährt man die verdiente Wertschätzung. In Schweden haben Führungskräfte im mittleren Management ein eigenes Wort bekommen, man nennt sie kurz und praktisch „Mellanchef". „Mellan" bedeutet „inmitten" und „dazwischen", steht aber auch für das Moderate und Unaufgeregte, was die Rolle treffend beschreibt. Ein tüchtiger Mellanchef spornt seine Mitarbeiter zu guten Leistungen an, ohne sich selbst allzu sehr in den Vordergrund zu drängen. In Schweden wird der Mellanchef gern mit gesellschaftlichen Trends verknüpft. Als vor einigen Jahren der Hallensport Padel in Schweden einzug hielt, eine Mischung aus Tennis und Squash, wurde die neue Fitnessform sogleich als Mellanchef-Vergnügen identifiziert und hier und da humoristisch kommentiert. Was der nationalen Padel-Lust jedoch in keiner Weise Abbruch getan hat. In jeder mittelgroßen schwedischen Stadt gibt es inzwischen mehrere Padelhallen, und in Umeå machte ein Schulträger gleich ganze Sache und richtete ein Padelgymnasium ein. Was belegt, dass der Mellanchef als Gesellschaftsbarometer ziemlich aussagekräftig ist und gute Nachwuchsprognosen hat.
Land ohne Bargeld
Für Schweden, die nach Deutschland reisen, ist die größte Umstellung nicht die Sprache, sondern dass ihre Portemonnaies
in Windeseile schwer werden. Bargeld sind viele nämlich nicht mehr gewöhnt.
Seit 2010 hat sich der Zahlungsverkehr in Form von Geldscheinen fast halbiert, von 105 Milliarden auf aktuell
58 Milliarden Schwedenkronen. Fragt man junge Schweden, wer auf dem meistverwendeten 500-Kronen-Schein abgebildet ist,
zucken sie mit den Schultern (richtige Antwort: die Opernsängerin Birgit Nilsson).
Bei der jüngsten Erhebung gab nur ein Drittel der 18-24-Jährigen an, in den letzten 30 Tagen mit Bargeld gezahlt zu haben.
Aber auch ältere Schweden verzichten zunehmend auf Scheine und Münzen. Im Jahr 2020 wurden 76 % aller Zahlungen
im Einzelhandel mit Karte getätigt. Zum Geldautomaten geht nur noch jeder Vierte.
Der absolute Renner unter den Zahlmitteln ist Swish, ein Zahldienst per Handy, der mit dem eigenen Bankkonto verbunden ist.
Damit lässt sich in vielen Geschäften zahlen, vor allem aber werden Transaktionen zwischen Privatpersonen,
unter Freunden und in der Familie per Swish sekundenschnell und kinderleicht erledigt.
Der Dienst hat sogar ein eigenes Verb bekommen, drei von vier Schweden swishen regelmäßig.
Die einfache Anwendung ist sicherlich der Grund dafür, dass Swish auch von der Hälfte aller 65-84-Jährigen genutzt wird.
Statt den Enkeln einen Schein zuzustecken, rauscht die großelterliche Zuwendung jetzt direkt via Handy aufs Bankkonto.
Quelle: Riksbanken



